04
Januar
2018
|
13:59
Europe/Amsterdam

Immerather Kirche wird ab Montag zurückgebaut

RWE Power richtet Unterstand für Zaungäste ein/Neuer Kirchenbau birgt viele alte Ausstattungsstücke

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Am kommenden Montag, 8. Januar, beginnt um 9 Uhr der Rückbau der ehemaligen Immerather Pfarrkirche. RWE Power veranschlagt dafür rund zwei Wochen. Der sogenannte Longfront-Bagger, ein Hydraulikbagger mit besonders langem Greifarm, wird seine Arbeit am Chor des Kirchenschiffes beginnen. Die Baustelle ist im Interesse der Sicherheit aller Beteiligten eingezäunt. Besucher können den Rückbau an dem Montagvormittag von einem sicheren Unterstand am früheren Immerather Markt aus verfolgen, erreichbar über die Lützerather Straße. Wer von Süden (Jackerather Straße) oder Westen (Rurstraße) zur Baustelle kommen möchte, muss sein Auto bereits am Ortseingang abstellen und hat einen längeren Fußweg.

Die alte Pfarrkirche wurde von 1888 bis 1891 als neuromanische Basilika mit Doppelturm errichtet. Bereits am 13. Oktober 2013 wurde die Kirche entwidmet. In den Folgemonaten verwertete die Pfarrgemeinde Teile des Inventars, wie zum Beispiel Altar, Heiligenfiguren, Glocken, Kanzel, Kirchenbänke, Beichtstuhl und kleinere Kirchenfenster aus dem 19. Jahrhundert. Diese Gegenstände werden entweder am neuen Ort oder in der Pfarre Christkönig Erkelenz, in deren Seelsorgebereich Immerath liegt, weitergenutzt. Das gilt zum Beispiel für die hochgotische Kreuzigungsgruppe, die jetzt in der Filialkirche St. Valentin in Erkelenz-Venrath zu sehen ist. Manches kam anderen Pfarrgemeinden zu Gute: Die Kanzel etwa ging nach Bergisch Gladbach, ein Teil der Kirchenbänke nach Berlin. Katholiken aus dem Eulengebirge in Schlesien/Polen bauten die drei Altäre ab und stellten sie in Kirchen ihrer Heimat auf.

Im April 2014 wurde das Gebäude an RWE Power übergeben. Im vergangenen Sommer bargen Industriekletterer im Auftrag von RWE Power die beiden Turmkreuze und stellten sie der Pfarrgemeinde zur Verfügung. Derzeit baut die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts aus Mönchengladbach einen Teil der historischen Kirchenfenster aus.

Der Rückbau der ehemaligen St.-Lambertus-Kirche ist Teil der Umsiedlung des Erkelenzer Ortsteils Immerath, die im vergangenen Frühjahr abgeschlossen wurde. In Immerath (neu) verfügen die katholischen Christen über eine Kapelle gleichen Namens mit 60 bis 120 Sitzplätzen. Sie wurde 2013 bis 2015 nach Plänen des Architekten Johannes Klomp errichtet und am 28. März 2015 vom Aachener Weihbischof Karl Borsch konsekriert. In ihrem seitlich ans Schiff angebauten Glockenturm hängen vier der sechs alten Immerather Glocken aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Altarraum und Fenster wurden vom Künstler Karl-Heinz Laufs ausgestaltet.

Immerath (neu) liegt ungefähr acht Kilometer von den alten Orten entfernt westlich von Erkelenz-Kückhoven. Es ist der gemeinsam ausgewählte Umsiedlungsstandort für die Bürger aus Immerath und dem Nachbarort Lützerath, wo die Umsiedlung 2006 begann, und aus dem nahen Pesch, dessen Einwohner ab 1999 umzogen. Betroffen waren damals fast 1.500 Bürger, von denen heute über die Hälfte an dem neuen Standort wohnt. Weitere 15 Prozent blieben im Stadtgebiet von Erkelenz oder im Kreisgebiet.

Der Abbruch der Kirche wurde jetzt erforderlich, weil die Bagger des Tagebaus Garzweiler nahen. In diesem Sommer wird planmäßig die neue Autobahn A 44 zwischen den Kreuzen Holz und Jackerath in Betrieb genommen. Unmittelbar danach wird RWE Power damit beginnen, die A 61 zwischen Wanlo und Jackerath abzutragen. Daran anschließend werden die Schaufelradbagger die ehemalige Ortslage von Immerath erreichen.

Der Tagebau Garzweiler fördert jährlich bis zu 35 Millionen Tonnen Braunkohle für die Stromerzeugung in den nahen Kraftwerken. Die Stromerzeugung aus Braunkohle aus den drei Tagebauen des Rheinischen Reviers deckt rund 40 Prozent des Strombedarfs in NRW und rund 12 Prozent der nationalen Stromnachfrage.